Mikroplastik aus Textilien belastet die Umwelt

Alternativen für Sport- und Outdoorkleidung - Maike Rabe im Interview

Achim Halfmann

Die Menge an Mikroplastik in Gewässern nimmt stetig zu; Textilien tragen hierzu in Form von Faserfragmenten bei. Der prozentuale Anteil wird sehr unterschiedlich bewertet, was z. T. auf die extrem schwierige Erfassung der Kleinstpartikel zurückzuführen ist. Auch Bekleidungstextilien aus synthetischen Fasern – insbesondere aus Polyester – können als Verursacher angesehen werden. Das Forschungsprojekt „Textiles Mikroplastik – Herausforderungen für Politik, Industrie und Forschung“ will einen Beitrag zur Vermeidung solcher Partikel leisten. Ein Konsortium aus Forschungsinstituten, Verbänden und Wirtschaftsunternehmen arbeitet an der Problemlösung. Für die Hochschule Niederrhein arbeitet daran u.a. die habilitierte Textilingenieurin Maike Rabe mit, die das Forschungsinstitut für Textil und Bekleidung (FTB) der Hochschule leitet.

CSR MAGAZIN: Was steht hinter dem Verbundprojekt „TextileMission“?

Prof. Dr. Maike Rabe: In dem Projekt geht es um die Vermeidung von Plastikeinträgen in die Umwelt. Unser Auftrag dabei ist einerseits die Untersuchung marktüblicher Outdoor- und Sporttextilien aus Polyester im Hinblick auf den Austrag von Faserfragmenten in die Umwelt durch Gebrauch und Pflege und andererseits die Optimierung dieser Textilien und daraus hergestellter Bekleidung durch Auswahl innovativer Fasern und Konstruktionen, so dass die Emission von Mikroplastik minimiert wird.

Bei Mikroplastik denken die meisten eher an Peeling-Mittel in Shampoos als an Textilien.

Mehr als 75 % des Weltfasermarkts wird von synthetischen Fasern bestimmt. Kleinste Fragmente dieser Fasern können bereits während der Produktion und Verarbeitung frei gesetzt werden oder später durch Gebrauch und Pflege textiler Produkte vom Heimtextil bis zum Bekleidungsteil. Die Entwicklung von Textilien hatte dieses Problem bis jetzt eher indirekt im Blick. Hochwertige Textilien mit langer Haltbarkeit sind durchaus ein wichtiges Entwicklungsziel, das führt natürlich auch dazu, dass wenig Abrieb und Alterungsprobleme auftreten. Dass sich dies auch gleichzeitig günstig auf die Emission von Faserfragmenten bzw. Mikroplastik auswirken kann, wurde erst mal gar nicht erkannt. Die Partikel sind nämlich so klein, dass sie gar nicht auffallen. Sie lassen sich aber leider auch nur schwer durch z. B. Filtration von Abwasser in der Produktion oder an der Waschmaschine oder im Trockner aufhalten. Mit der Steigerung der Synthesefaseproduktion, dem Trend zu Fast Fashion und schnelllebiger fast schon „Wegwerfbekleidung“ ist dieses Problem aber nun deutlich erkennbar geworden.

Wie lässt sich dieses Problem adressieren? Durch einen Verzicht auf Plastik in Kleidung?

Ich denke, es wird noch lange Plastikeinsatz in Kleidungsstücken geben, da der Bedarf an textilen Produkten durch Naturfasern nur zu einem Viertel gedeckt werden kann und auch weil sich manche Funktionen – etwa wasserabweisende Eigenschaften bei Outdoor-Textilien oder eine lange Lebensdauer – nicht anders sicherstellen lassen. Auch Naturfasern oder Fasern aus biologisch abbaubaren Polymeren werden nicht als Allheilmittel angesehen. Abgesehen von der Tatsache, dass sie durch Farbstoffe und Funktionsausrüstungen auch an „Natürlichkeit“ einbüßen, gelangen sie in der Umwelt an Stellen, in denen der Abbau schwierig wird, z. B. weil unter Wasser gar nicht die richtigen Mikroorganismen anzutreffen sind. Das Problem kann deshalb nur synergistisch gelöst werden. In der textilen Verarbeitungskette muss von der Faserauswahl über die Konstruktion und Konfektion so gearbeitet werden, dass nur kleinste Mengen Mikroplastik entstehen. Weiterhin muss auf eine materialschonende Pflege geachtet werden. Schließlich ist auch die Abwasserklärtechnik noch zu verbessern, Klärschlämme dürfen nicht in die Umwelt ausgetragen werden, das Wasser muss eine vierte Klärstufe passieren.

Ist Plastik-Recycling ein Lösungsansatz?

Das Problem des Mikroplastiks wird durch Recycling nicht gelöst. Denn auch recycelte Fasern verursachen bei ihrem Abbau Einträge in die Umwelt. Es ist bei diesen Fasern darauf zu achten, dass sie z. B. durch Minderqualität nicht noch das Problem verschärfen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zum Forschungsprojekt:

Das Verbundprojekt „TextileMission“ startete im September 2017 und läuft über einen Zeitraum von drei Jahren. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Neben der Hochschule Niederrhein sind beteiligt: die adidas AG, der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie e.V. (BSI) als Projektkoordinator, die Henkel AG & Co. KG aA, die Miele & Cie. KG, Polartec LLC, die TU Dresden, die VAUDE Sport GmbH & Co. KG und der WWF Deutschland. Das Projekt im Internet: https://textilemission.bsi-sport.de/

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Globalisierung (mit-)verantworten Copyright © 2020 Achim Halfmann. Alle Rechte vorbehalten.

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